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Mugaraito Günter Weber

  • 1946 geboren in München
  • Dipl.-Ing. (FH) Bauingenieur - Wahlpflichtfach Philosophie
  • Kriegsdienstverweigerer (1963)
  • Landtagskandidat der Grünen in Bayern (1981)
  • 1989 Zen-Lehrer Mugaraito
  • 2014 Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union (BDU)

 

Von mir über mich

Meinen Zen-Weg verdanke ich Prof. Fritz Hungerleider, Wien, dem ersten Meditationslehrer des Zen-Buddhismus im deutschsprachigen Raum, ehemaliger Präsident der Österreichischen Buddhistischen Gesellschaft (gest. 1998).

Kennengelernt hatte ich ihn 1967 in München. Er hielt ein Seminar mit dem Titel „Christentum und Buddhismus. Zur Frage der Toleranz“.

Nach 13 Jahren Religionsunterricht mit Abitur und zusätzlichen Bibelstunden (die mich sehr interessierten) trat ich 1977 aus der evangelischen Kirche aus. Ich war immer ein Gottsucher gewesen. Mein Versuch, im Sinne einer rationalen Theologie eine Gottesvorstellung zu entwickeln, die mit meinen Kenntnissen der Kosmologie und der theoretischen Physik im Einklang ist, war eigentlich erfolgreich – doch letztlich stellte Gott sich mir als ein für mich nicht erfahrbares Objekt dar, dessen Existenz oder Nicht-Existenz mich nicht berührte.

Ich scheiterte mit meinem Christ-Sein nicht an der (bzw. den) real existierenden Kirchen (Ich sage: „Wo Menschen sind, da menschelts!“), sondern an den mir vermittelten Gottes-Vorstellungen und Glaubens-„Zumutungen“.

Ich konnte das mir Vorgesetzte nicht „einfach glauben“, nachdem für mich diese konkreten Glaubensaussagen weder rational transparent waren, noch von mir erfahren wurden. Im Gegenteil, die Theodizee-Frage („Warum lässt ein allmächtiger und liebender Gott so viel Leid zu?", nicht nur bei den Menschen, sondern auch in der Natur, unter den Tieren?“) war für mich Grund, der Schlussfolgerung des Epikur zuzustimmen, „dass Gott entweder nicht allmächtig oder nicht gut oder nicht existent sei“.

Unter „Gott“ verstehe ich in diesem Zusammenhang die Vorstellung einer eigenständigen personalen Wesenheit, die mir in seiner zeit- und raum-losen Existenz als „Du“ gegenübersteht, mein Schicksal in seinen Händen hat und dessen Gnade mir zuteil werden kann oder auch nicht.

Heute weiß ich, dass ich wohl eine lebendige eigene (Gottes-) Erfahrung gesucht, doch nicht gefunden hatte. Inzwischen habe ich durch die Zen-Meditation immer wieder die Erfahrung profunder Geborgenheit in einem apersonalen „Urgrund meines Seins“ erlebt, die sich für mich letztlich am besten durch die Worte beschreiben lässt: „Ich fühle mich geborgen wie in den Händen Gottes“, ohne dass dies deshalb mit irgendeiner konkreten Vorstellung verbunden wäre.

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